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Mutmacher des Monats November 2021

„Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll.“

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832, dt. Schriftsteller)


In diesen trüben Novembertagen möchte ich gerne eine kleine Geschichte erzählen, so wie es zu allen Zeiten an den Lagerfeuern der nun immer kälter und länger werdenden Nächte Brauch war. Eine kleine Geschichte der Weisheit über innere Schönheit und Tiefe:

"Es war einmal ein junger Mann. Der stand auf dem Markplatz einer Stadt, stellte sein Herz zur Schau, das makellos, fehlerfrei und wunderschön war und pries es als das schönste Herz der ganzen Stadt. Die Menge machte „Ah!“ und „Oh!“ und gab ihm recht: Dies war wirklich das schönste Herz, das sie alle je gesehen hatten! Der junge Mann war sehr stolz auf sein schönes Herz und konnte gar nicht genug an Anerkennung der Menge dafür bekommen.

Da kam ein alter Mann auf den Markplatz, schaute sich ebenfalls das Herz des jungen Mannes an und sagte dann zur Verwunderung aller Leute: „Dein Herz ist ja nicht einmal annähernd so schön, wie meines!“ Als der alte Mann daraufhin dem jungen Mann und der Menge sein Herz zeigte, wichen sie zurück, denn dieses Herz schlug zwar kräftig, aber es war häßlich und voller Narben. Da gab es Stellen, wo Stücke herausgerissen und durch andere ersetzt worden waren. Diese passten jedoch nicht richtig und so gab es ausgefranste Kanten und Ecken. An anderen Stellen waren tiefe Furchen und Löcher, teilweise fehlten sogar ganze Stücke. Die Leute waren entsetzt und sagten: „Wie kannst Du nur behaupten, Dein Herz sei schön und sogar schöner als das des jungen Mannes?!“ Der junge Mann begann gar zu lachen, als er das Herz des alten Mannes und dessen Zustand sah: „Ist das Dein Ernst? Du willst die Schönheit meines Herzens mit Deinem vergleichen? Meines ist perfekt und Deines ist ein Wirrwarr von Narben und Tränen!“ Da sagte der alte Mann: „Niemals wollte ich meines gegen Dein Herz tauschen! Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe geschenkt habe. Ich reiße dann ein Stück meines Herzens heraus und gebe es dem anderen. Oft geben sie mir dann ein Stück von ihrem Herzen zurück, aber die Stücke passen nicht genau, und so entstehen die Risse und Kanten. Doch weil sie mich an die Liebe erinnern, die wir miteinander teilten, schätze ich diese Kanten sehr. Manchmal gab ich auch ein Stück meines Herzens ohne dass mir wieder eines zurück gegeben wurde. So entstanden die Löcher und leeren Furchen. Liebe geben bedeutet eben manchmal auch, ein Risiko einzugehen! Und selbst wenn diese Furchen und Löcher schmerzhaft sind, bleiben sie doch offen und erinnern mich an die Liebe, die ich für diese Menschen empfinde. Vielleicht kehren sie ja eines Tages zurück und füllen den Platz doch noch aus. Erkennst Du jetzt, was wahre Schönheit ist?“ Die Menge schwieg betroffen und dem jungen Mann rannen die Tränen über das Gesicht. Er griff nach seinem makellosen Herzen, riß ein Stück davon heraus und reichte es dem alten Mann hin. Der nahm es lächelnd und setzte es in sein Herz ein. Dann riß er ein Stück von seinem zerfurchten Herzen heraus und füllte damit die Lücke im Herzen des jungen Mannes. Es passte nicht perfekt, da es schon einige Zacken hatte. Der junge Mann sah sein Herz an, das jetzt nicht mehr makellos aussah, aber in dem er jetzt die ganze Liebe des alten Mannes fließen fühlte. Dann umarmten sich die beiden herzlich, verließen gemeinsam den Marktplatz und ließen die staunende, schweigende Menge zurück.“

Niemals sollten wir aufhören, einander unsere Liebe zu schenken, denn die Liebe ist wie ein Licht in der Dunkelheit unserer Welt!




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